Laktose? Wen interessiert das schon in China!

In diesem Blogeintrag befassen wir uns mit dem Konsum von Milchprodukten in Chinas Nordosten. Die primäre Datengrundlage des folgenden Blogeintrags beruht auf den Ergebnissen einer Datenerhebung der analyse asia GmbH mit dem unternehmenseigenen Online-Marktumfragesystem OMUS, ergänzt durch persönliche Erfahrungen des Verfassers. Im Auftrag des Online-Portals Statista wurden 1258 Konsumenten im Alter von 18 bis 60 Jahren innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen befragt. Der größte Anteil der Teilnehmer ist zwischen 25 und 44 Jahren alt und verdient monatlich zwischen 1500 und 4999 RMB. Fast alle Befragten kommen aus der Provinz Liaoning. Die meisten von ihnen sind Angestellte oder Beamte.

Die laktoseintolerante Weltbevölkerung
Zwei Drittel der Weltbevölkerung sind laktoseintolerant. Dies bedeutet, dass in der Nahrung enthaltener Milchzucker nicht verdaut wird – mit unangenehmen Folgen für den Magen. Am häufigsten betroffen sind Erwachsene aus Afrika, Indien und China.

Wir Europäer entwickelten in den letzten 9.000 Jahren eine generelle Laktoseverträglichkeit. Hilfreich war die seit Jahrtausenden mit regelmäßigem Milchkonsum verbundene Viehzucht.

Chinesen trinken trotzdem Milch
Unter der chinesischen Bevölkerung ist Laktoseintoleranz weit verbreitet. So sind ca. 90% der Chinesen von der Unverträglichkeit betroffen, obwohl lediglich bei einem Drittel spürbare Beschwerden auftreten. Dies passt zu den Ergebnissen unserer Befragung im Norden Chinas, bei welcher 29% der Befragten angaben, früher Milchprodukte konsumiert zu haben, heute jedoch davon absehen.  Dies könnte mit den durch Konsum entstandenen Beschwerden zusammenhängen. Weiterhin gaben 25% der Teilnehmer an, noch nie Milchprodukte konsumiert zu haben. Dennoch boomt der Konsum milchhaltiger Erzeugnisse trotz dieser „natürlichen Hürden“ in der Volksrepublik. Nach den USA und Indien belegt China sogar Platz drei der Milcherzeugernationen. Ungeachtet des hohen und vor allem laktosefreien Angebots an Milchprodukten greifen Chinesen weiterhin lieber auf importierte Milch zurück, als in der Heimat hergestellte zu nutzen.

Die Milchhersteller in Ostasien sind führend im Bereich der Hydrolyse bei Milchprodukten, in deren Ablauf die Laktose aufgespalten wird, bevor sie in Lebensmitteln verwertet wird.

So stellt China seit 2011 weltweit das Haupteinfuhrland von Milchprodukten dar. Dies kann man unter anderem auf das Misstrauen der chinesischen Bevölkerung gegenüber einheimischen Produkten zurückführen, welche durch mehrere Skandale in Verruf gerieten.
Zum Beispiel: Babymilchskandal von 2008, bei dem sechs Säuglinge durch kontaminierte chinesische Milch starben und mehrere Hunderttausend an Nierenleiden erkrankten.

Neben der grundsätzlichen Abneigung gegen inländische Milch, wird die weiter wachsende Nachfrage auch durch andere Faktoren gestützt. Steigende Bevölkerungszahlen, größerer Wohlstand und eine höhere Popularität von Milchprodukten durch die allgemeine Hinwendung zum Westen treiben den Konsum weiter an. Insbesondere bei der wachsenden urbanisierten Mittelschicht hat die Nachfrage zugenommen, wohingegen die auf dem Land lebende ärmere Bevölkerung nach wie vor traditionelle Nahrungsmittel vorzieht.
Der Preis für einen Liter importierter Milch beträgt das Drei- bis Vierfache des Milchpreises in Deutschland.

Auch die Einkaufsmöglichkeiten in den Städten haben sich verändert. Anstatt der traditionellen Märkte nehmen nun immer mehr Super- und Hypermärkte Einfluss auf den Konsum der Chinesen. Mit optimierten und global funktionierenden Kühlketten bieten sie den Konsumenten ein breitgefächertes Angebot an internationalen Milchprodukten.

Die Lieblingsprodukte in Nordchina
Bei unserer Befragung im Norden Chinas gaben 17% der Teilnehmer an, regelmäßig Milchprodukte zu konsumieren, 59% tun dies gelegentlich. Am beliebtesten ist mit 27% die Schokoladenmilch, wohingegen „gewöhnliche“ Milch von 11% regelmäßig genutzt wird.

Beim Käsekonsum gibt es deutliche Unterschiede. Häufig werden Frisch- (20%), Hütten- (17%) und Streichkäse (17%) gegessen. Geriebener Käse, wie beispielsweise Parmesan, wird hingegen von nur 6% der Befragten in Nordostchina konsumiert. Allgemein werden in China eher die bereits genannten geruchsneutraleren Käsearten gegessen. Klassischer Scheibenkäse wird in China kaum angeboten und konsumiert.

Gut für die Produzenten, schlecht für die Verbraucher
Hat der Milchboom in China eigentlich auch Auswirkungen auf die deutschen Verbraucher? Ja, denn hierzulande steigen die Preise für Milchprodukte aufgrund der explodierenden Nachfrage der Weltmärkte – unter anderem China. Schlecht für die Verbraucher. Gut für die deutschen Milchbauern, die unter den niedrigen Preisen leiden.

Dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zufolge exportierte Deutschland im Jahr 2012 über 90.000 Tonnen Milch- und Milcherzeugnisse nach China. Das sind 55% mehr als 2011. Unter den Erzeugnissen befanden sich Konsummilch, deren Export innerhalb einen Jahres um 150% und Käse, dessen Export um 106% anstieg.

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