VW-Skandal – Wie wird in China berichtet?

Aus aktuellem Anlass geht es heute einmal nicht um die chinesischen Konsumenten, sondern um die chinesische Presse. Wir haben uns angeschaut, was in den letzten Tagen über den Skandal geschrieben wurde und haben dafür relevante Abschnitte für unsere Leser frei übersetzt.

Sina Finance:
VW Abgas-Skandal: Eine Reputation ist einfach zu verlieren, aber schwer wieder aufzubauen
„Der VW-Betrugsskandal führt zu Zweifeln an der deutschen Moral. Eigentlich sind Betrugs- und Bestechungsaffären der großen deutschen Unternehmen nicht selten. Konzerne mit gutem Ruf wie Siemens, Commerzbank, Bayer, VW, Mercedes Benz oder BMW waren schon in Bestechungs-, Geldwäsche- und andere Skandale verwickelt.
Nach Meinung der Öffentlichkeit ist Deutschland eine entwickelte Marktwirtschaft, verfügt über eine gute Unternehmenskultur, ein umfassendes soziales Kreditsystem und Beamtenintegrität. „Made in Germany“ ist der Stolz aller Deutschen und wirkt als ein Vorbild für die Welt. Aber in Anbetracht des täglich immer schärfer werdenden globalen Wettbewerbs sind nicht wenige deutsche Unternehmen bereit, alles Erdenkliche zu tun, um genug Bestellungen zu erhalten. Insbesondere in Bereichen mit intensiver Konkurrenz wie Automobile oder Elektronik […] ist es zu einem von multinationalen Konzernen anerkannten „ungeschriebenen Gesetz“ geworden, dass Verträge für Geld abgeschlossen werden können. Auf Facebook äußert man sich mit den Worten „Es öffnet uns die Augen, dass die strengen Deutschen so etwas tatsächlich tun“.
Reputation ist eine Sache, die einfach zu verlieren, aber schwer wieder aufzubauen ist. Die Amerikaner mögen deutsche Autos und bisher sind die Umsätze deutscher Autos in den USA tendenziell gestiegen, im letzten Jahr war es sogar eine Steigerung von 11 Prozent. Dieses Mal hat VW jedoch ein Grab für sich selbst geschaufelt.“
Quelle: http://finance.sina.com.cn/world/20150930/104823386768.shtml (Online-Ausgabe der Zeitung Sina Finance)

China Daily:
Vor VW liegt ein holpriger Weg“
Obwohl in China kaum Dieselfahrzeuge von VW unterwegs sind, liegt laut der China Daily zukünftig auch in China eine holprige Strecke vor dem deutschen Autohersteller. Nachdem die Verkäufe in China 2014 um 12,4% gesunken sind, ist der Zeitpunkt für einen globalen Skandal auch für das Chinageschäft denkbar schlecht. Zudem fragt man sich in der Volksrepublik, ob VW die 22 Mrd. €.  die zur Konsolidierung der Marktführerschaft in China eingeplant waren, noch investieren kann. Neben den aktuellen hohen Börsenverlusten sind in den nächsten Jahren Strafzahlungen im mittleren zweistelligen Millardenbereich zu erwarten.
Quelle: http://www.chinadaily.com.cn/bizchina/motoring/2015-09/25/content_21978750.htm  (Online-Ausgabe der China Daily)

Sohu News:
„VW ist in „Dieselskandal“ geraten, können wir noch auf deutsche Produktion vertrauen?“
„Made in Germany“ gerät in eine Vertrauenskrise […]
Die zuvor von VW, Audi, Mercedes Benz und Bosch zusammen entwickelte „Clean Diesel“ Kampagne scheitert.
Quelle: http://business.sohu.com/20150922/n421855821.shtml (Online-Ausgabe der Sohu News)

Cankao Xiaoxi (staatliches Presseorgan):
„Ausländische Medien: Warum beeinflusst der VW Skandal das Geschäft in China nicht?“
„China ist für Volkswagen der größte und wichtigste Markt auf der Welt. Zum Glück verkauft VW kaum Dieselautos auf dem chinesischen Markt. Die in China jährlich verkauften drei Millionen Autos benutzen Benzin als Brennstoff, nur 1000 Autos verwenden Diesel. Eigentlich wollte VW mehr Dieselautos in China verkaufen, aber die chinesische Regierung erklärte sich damit aus ökologischen Gründen nicht einverstanden.“
Quelle: http://www.cankaoxiaoxi.com/finance/20150925/950711.shtml (Online-Ausgabe der Regierungszeitung Can’kao Xiao’xi)